Anfang Mai 2025 reiste eine sechsköpfige Delagation aus Pankow in unsere Partnerstadt Riwne in der Ukraine. Neben der Pankower Bezirksbügermeisterin Cordelia Koch nahmen zwei Mitarbieterinnen des Bezirksamtes, eine Vertreterin der Musikschule Béla Bartók sowie Uwe Lehmann und Vollrad Kuhn aus dem Vorstand des Vereins teil.
Die Reise war als Gegenbesuch zu den in 2023 anlässlich der Partnerschaftsunterzeichnung und im September 2024 erfolgten Besuchen von Kommunalpolitikern und Mitarbeitern der Stadt Riwne in Pankow unter maßgeblicher Beteiligung von Daryna Illienko organisiert worden. Nach beschwerlicher Anreise mit Bus und Zug am 02./03.05. (Uwe Lehman war bereits einige Tage zuvor mit dem Bus angereist) wurden wir gegen Abend in Riwne von Olena Petriv und ihrer Mitarbeiterin Irina herzlich auf dem Bahnhof empfangen und zum Hotel gebracht.
Tag 2 in Riwne
Der 05.05. begann für uns mit einem Spaziergang durch den Park mit von Künstlern geschaffenen Metallskulpturen hin zum Regionalmuseum, einem historischen ehemaligen Schlossgebäude, welches in der Zeit der deutschen Besatzung im II. Weltkrieg dem Reichskommissar und verurteilten Kriegsverbrecher Erich Koch als Sitz diente. Im Theater bekamen wir eine Führung durch die Direktorin und ihre Mitarbeiterinnen, u.a. auch im Ikonen-Saal.
Danach ging es zu Gedenkveranstaltung für die gefallenen Soldaten des Asow-Regiments an der Gedenkstätte, wo von uns Blumen hinterlegt wurden.


Im Anschluss fuhren wir zum Fußballstadion des Vereins VERES, der in der ukrainischen obersten Loga spielt. Die Besichtigung wurde vom Vereinsmanager begleitet.
Dann stand das Lyzeum Nr. 7 auf dem Programm, wo uns die verantwortliche Deutschlehrerin und der Direktor empfingen, begleitet vom Schuldezernenten der Stadt. Wir konnten mit ihnen diskutieren, Schulklassen treffen, Räume besichtigen und waren im zum Bunker ausgebauten Keller. Für die meisten der ca. 1.200 Schüler:innen der Schule bietet er Platz in verschiedenen Räumen, die mit Bänken, Tischen und teilweise Tafeln ausgestatte waren. Besonders berührend waren die gepackten Nottaschen mit Wechselkleidung und Trinkflaschen der Grundschüler:innen, welche alle mit Schildern mit Namen, Klasse und Blutgruppe beschriftet waren.

Am Nachmittag wurde uns das städtische Kulturhaus gezeigt. Wir erlebten Kurzvorführungen des Kammerchors und des international bekannten Kinder-und-Jugend-Tanzensembles. Gegen Abend konnten wir Kellerräume des ehemaligen und nun abgerissenen Schlosses im Stadtpark sehen, welche als Zweigstelle des Regionalmuseums fungieren.
Der Abend endete mit einem Abendessen auf Einladung der Stadt in einem Kellerrestaurant einer Brauerei.
Tag 3
Am 06.05. ging es zu Fuß zum Unabhängigkeitsplatz (Maidan), um die tägliche Schweigeminute zu Ehren der Kriegsopfer zu erleben und gleichzeitig den Vorsitzenden des jüd. Kulturvereins zu treffen. Mit ihm fuhren wir zur Gedenkstätte Sosenki am Rande der Stadt, wo er uns die Stelle der Massengräber und das Mahnmal zeigte. Dort sind 1942 auf Befehl des Reichskommissars ca. 17.500 jüd. Einwohner:innen ermordet worden.
Wieder zurück im Stadtzentrum nahmen wir an der bewegenden Zeremonie der öffentlichen Verabschiedung von 2 im derzeitig noch tobenden Ukraine-Krieg gefallenen Soldaten teil und legten Blumen an den aufgebarten Särgen nieder. Der Platz ist fast vollständig mit Bildern gefallener Soldaten und Blumen ausgefüllt. Schätzungsweise 1.200 aus Riwne stammende Soldaten sind seit 2014 gefallen bzw. an ihren Verletzungen erlegen.
Im Anschluss ging es in das Rathaus, wo uns Victor Shakyrzian, Erster Sekretär des Stadtrats und damit amtierender Bürgermeister mit seiner Direktorin empfing.
Danach erfolgte der Besuch des Städtischen Krankenhauses Nr. 2, wo uns der ärztliche Direktor und die Verwaltungsleiterin zur Verfügung standen und führten. Dabei stand insbesondere die Rehabilitationsabteilung, in welcher wir viele Kriegsverletzte sahen, im Mittelpunkt. Vor Ort gab es auch ein Treffen mit Myhaylo Lukyanik vom NGO Ecoclub mit ersten Absprachen zu einer angestrebten intensiven Einbindung der NGO in ein gerade seitens des Bezirks Pankow in Antragstellung befindliches NAKOPA-Förderprojekt zur Umsetzung des Vorhabens „Erneuerung der Wärmeversorgung des Krankenhauses Nr. 2“.
Nach dem Mittagessen nahmen wir am Jubiläumskonzert – 70 Jahre Riwne Musik College – im großen und voll besetzten Saal der Hochschule teil. Beeindruckend waren die vielen Orchester, Chöre und Einzelinterpret:innen, welche verschiedene Werke spielten. Daneben gab es umfangreiche Grußreden der Ehrengäste, u.a., auch ein kurzes Grußwort unserer Bürgermeisterin.
Nach dem Empfang fuhren wir zum städtischen Musik- und Schauspieltheater, wo uns der Direktor Herr Petriv bis in die Abendstunden eine Führung gab. Einige Techniker waren noch vor Ort und konnten uns die Bühnentechnik im großen Saal zeigen. Im Vestibül davor stand das Modell des von russischen Truppen zerstörten Theaters Mariopol, welches ein ähnliches Bauwerk aus den 50’er Jahren war wie das in Riwne und wo über 600 Zivilisten durch das Bombardement ums Leben kamen. Von daher ist der neu ausgebaute Bunker im Keller unter dem Theater in Riwne, welchen wir besichtigten, wichtig für die Aufrechterhaltung des Theaterbetriebs auch im Falle von Luftalarm.
Tag 4
Am 07.05. mussten wir sehr früh wieder am Bahnhof sein, der Zug fuhr 04:30 ab zur polnischen Grenze und weiter zum Umsteigebahnhof nach Chelm. Nach einem weiteren Umstieg in Warschau erreichten wir Berlin spät abends.
